ISO 19011:2018 – Die Neuerungen kompakt (Teil 2)

Teil 2: ‚Auditprogramm‘ vs. ‚Auditplan‘

Nicht wirklich neu, hat aber extrem an Bedeutung gewonnen:
Das Auditprogramm.

Eines der Auditziele ist es, zur Verbesserung der Unternehmensleistung beizutragen; diese fortlaufende Verbesserung ist ebenso beim Auditprogramm selbst zu beachten.
Bevor man sich an die Überarbeitung der ISO 19011 machte, wollte man wissen, welche Erfahrungen die Anwender bislang gemacht hatten und ob es Unklarheiten gäbe. Dabei zeigte sich, dass das Wechselspiel – manchmal sogar der Unterschied – zwischen ‚Auditprogramm‘ und ‚Auditplan‘ nicht klar war.
Hier gibt es gewisse Parallelen zum Projektmanagement, bei dem das Programmmanagement die Planung, die übergreifende Leitung und das Controlling (im Sinn von Steuerung, Lenkung) einer definierten Anzahl inhaltlich zusammengehöriger Projekte umfasst.

Zur Erinnerung; Auditprogramm ≠ Auditplan (!)
Auditprogramm  = „Festlegungen für einen Satz von einem oder mehreren Audits, die für einen bestimmten Zeitraum geplant und auf einen spezifischen Zweck ausgerichtet sind“
Auditplan = „Beschreibung der Tätigkeiten und Festlegungen für ein Audit

 

Werfen wir einen Blick in die ISO 9001, Abschnitt 9.2 Internes Audit:
Die Organisation muss
„ein oder mehrere Auditprogramme planen, aufbauen, verwirklichen und aufrechterhalten, einschließlich der Häufigkeit von Audits, Methoden, Verantwortlichkeiten, Anforderungen an die Planung sowie Berichterstattung, welche die Bedeutung der betroffenen Prozesse, Änderungen mit Einfluss auf die Organisation und die Ergebnisse vorheriger Audits berücksichtigen müssen”
und nicht zu vergessen:
„dokumentierte Information als Nachweis der Verwirklichung des Auditprogramms und der Ergebnisse der Audits aufbewahren“

 

Soweit, so gut …

 

Sehen wir uns nun ISO 19011, Abschnitt 5 Steuerung eines Auditprogramms (Bild 1) genauer an:

Abb.: Prozessablauf für die Steuerung eines Auditprogramms gem. ISO 19011

 

Diese Abbildung ist mit jener des Auditprozesses verknüpft, wodurch die Schnittstellen zwischen Auditprogramm und Auditdurchführung besser bzw. unmissverständlich erkennbar sind.
Das visualisiert im Besonderen die wichtige Rückkopplung aus den Auditergebnissen in das Auditprogramm und die klare Übergabe der Verantwortung zur Erreichung definierter Auditziele an den Auditteamleiter, die man auch als „Auditauftrag“ formulieren könnte.

 

Somit sollte nun endlich wirklich klar sein, dass der Auditplan nicht dem Auditprogramm gleichzusetzen ist, oder?

 

Teil 3 folgt …

ISO 19011:2018 – Die Neuerungen kompakt (Teil 1)

Immer wieder werde ich von Qualitätsmanagern und manchmal auch internen Auditoren (!) gefragt, wer denn eigentlich die ISO 19011 ‚Leitfaden zur Auditierung von Managementsystemen‘ braucht und ob es Sinn macht, sich damit auseinanderzusetzen.
Dies habe ich zum Anlass genommen, diese Fragen in „homöopathischen“ Dosen schrittweise zu erläutern.

Teil 1: Die Entstehung des revisionierten Leitfadens
Der Internationale Standard ISO 19011 wurde im Projektkomitee 302 „Guidelines for auditing management systems“ der Internationalen Organisation für Normung ISO in einem offenen, transparenten, auf Konsens ausgerichteten Prozess mit unterschiedlichen Stakeholdern entwickelt:

  • Teilnahme von Fachleuten aus 54 Ländern aktiv oder als Beobachter
  • In Österreich übernahm das Komitee 129 „Qualitätsmanagementsysteme“ von Austrian Standards International die nationale Begleitung
  • Dazu zählte z.B. die Koordination der Anliegen aus anderen relevanten Komitees oder aus dem öffentlichen Stellungnahmeverfahren sowie die direkte Teilnahme der österreichischen Delegierten:
    – Dipl.-Ing. Mario Lenitz
    – Dipl.-Ing. Harald Staska

Unter dem Vienna Agreement erhielt ISO 19011 auch den Status einer Europäischen Norm (EN ISO 19011) und wird damit in die nationalen Normenwerke der 34 CEN-Mitglieder (= nationale Normungsinstitute) unverändert übernommen, z.B. in Österreich als ÖNORM EN ISO 19011.

Teil 2 folgt …