Normenwissen kompakt: Wie entsteht eine Norm?

Alle an einem Thema Interessierte oder davon Betroffene haben vielfältige Möglichkeiten, Normen direkt mitzugestalten. Die nachfolgende Darstellung zeigt den kompletten Lebenszyklus einer Norm und die Möglichkeiten, diese mitzugestalten und Stellungnahmen einzubringen:

* … optional
Abb. „Timeframes for development of IS/TS/PAS“; Quelle: ISO

NP … New work item proposal
WD … Working draft
CD … Committee draft
DIS … Draft International Standard
FDIS … Final Draft International Standard
ISO … International Standard

 

  • Vorschlagstufe Proposal Stage“
    Vom Vorschlag (NP) bis zur Annahme eines neuen Normungsvorhaben
  • Bearbeitungsstufe Peparatory Stage“
    Von der Annahme des Normungsvorhabens bis zur Verabschiedung zur Registrierung als Komitee-Entwurf
  • Komitee stufe Committee Stage“
    Vom Komitee-Entwurf (CD) bis zur Verabschiedung zur Umfrage (Internationaler Normentwurf)
  • Umfragestufe Enquiry Stage“
    Von der Annahme zur Umfrage (DIS) bis zur Verabschiedung zum Schlussentwurf
  • Annahmestufe Approval Stage“
    Von der Annahme des Schlussentwurf (FDIS) bis zur Verabschiedung zur Internationalen Norm
  • Veröffentlichungsstufe Publication Stage“
    Von der Annahme als int. Norm bis zur Veröffentlichung als ISO-Norm

Hat sich die Arbeitsgruppe des ISO/TC oder SC auf einen Komitee-Entwurf (CD) geeinigt, nehmen die zuständigen Spiegelgremien der beteiligten nationalen Normungsorganisationen dazu innerhalb von drei Monaten schriftlich Stellung.

Wird Konsens darüber erreicht, einen Norm-Vorschlag öffentlich zur Diskussion zu stellen, so leitet ISO auf Basis eines Internationalen Norm-Entwurfs (DIS) eine öffentliche Umfrage ein. Die ISO-Mitglieder haben dann fünf Monate Zeit, eine nationale Stellungnahme abzugeben.

Das nationale Spiegelgremium kann entscheiden, die künftige Internationale Norm – auf freiwilliger Basis – in das Österreichische Normenwerk als ÖNORM ISO zu übernehmen. In diesem Fall wird zum Internationalen Norm-Entwurf möglichst frühzeitig der Entwurf einer ÖNORM ISO in deutscher Sprache veröffentlicht.

Bei paralleler Umfrage gemäß „Vienna Agreement“ zwischen dem Europäischen Komitee für Normung CEN und ISO wird der Entwurf als ÖNORM EN ISO zur Stellungnahme durch die Öffentlichkeit aufgelegt.

Auf Grundlage der nationalen Stellungnahmen erstellt die zuständige Arbeitsgruppe des ISO/TC bzw. SC einen Internationalen Schlussentwurf (FDIS). Bei der Übernahme internationaler Norm-Entwürfe als europäisches normatives Dokument wird die bei internationalen Dokumenten übliche Kennzeichnung FDIS durch Fpr ersetzt; z.B.: „FprEN ISO 9001:2015 D”.
Die ISO-Mitglieder entscheiden in einer zweimonatigen Schlussabstimmung über die Annahme als Internationale Norm.

Die FDIS kann angenommen oder (unter Nennung von Gründen) abgelehnt werden. Ebenso ist Stimmenthaltung möglich. Für die Annahme ist die Zustimmung von zwei Drittel der an der Abstimmung teilnehmenden P-Mitglieder des zuständigen ISO/TC bzw. SC erforderlich. Nicht mehr als ein Viertel der abgegebenen Stimmen darf negativ ausfallen.

Nach einem positiven Abstimmungsergebnis veröffentlicht ISO die Internationale Norm.

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Dipl.-Ing. Harald Staska

Dipl.-Ing. Harald Staska

Gründer & Geschäftsleitung von C.O.M.E.S; Berater, Trainer und Auditor,
Delegierter im technischen Komitee ISO/TC 176/SC 2 (Anm.: ISO 9001), Delegierter im Projekt Komitee ISO/PC 302 (Anm.: ISO 19011) sowie Experte von Austrian Standards International im Komitee 129 – Qualitätsmanagementsysteme.

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