ISO 9001:2015 — Revolution oder Evolution?

Diese Evolution zeichnet sich inhaltlich in Form notwendiger Weiterentwicklungen einiger Aspekte in Richtung umfassendes Qualitätsmanagement (TQM), aber auch hinsichtlich unternehmerischen Hausverstandes aus.

Bezüglich der gelungenen Harmonisierung mit anderen Management-Normen, wie z.B. ISO 14001 oder ISO 27001, kann strukturell, das heißt im Sinn der neuen harmonisierten Gliederung der Hauptabschnitte (High-Level Structure gemäß Annex SL, Anm.), durchaus von einer Revolution gesprochen werden.

Als wesentlichen Neuerungen beziehungsweise Weiterentwicklungen der ISO 9001:2015 gegenüber ihrer Vorgängerversion seien die folgenden sieben Punkte genannt:

  1. Kontext der Organisation: Es gibt zwei neue Abschnitte, die sich mit dem Kontext der Organisation befassen, und zwar: »Verstehen der Organisation und ihres Kontextes« sowie »Verstehen der Erfordernisse und Erwartungen interessierter Parteien«. Zusammen fordern beide Abschnitte von der Organisation das Bestimmen der Themen und Anforderungen, welche die Planung des Qualitätsmanagementsystems beeinflussen können.
  2. Kundenbegriff: Dieser wird um das Verstehen der Erfordernisse und Erwartungen interessierter Parteien erweitert. Dadurch wird der moderne Aspekt der Stakeholder entsprechend integriert.
  3. Risikobasierter Ansatz**: Dieser soll zum einen als adäquater Ersatz für die nicht mehr geforderten Vorbeugungsmaßnahmen dienen, und zum anderen die Organisationen zum “Denken in Szenarien” bewegen.
    **) kein formales Risikomanagementsystem, Anm.
  4. Prozesssorientierung: Der erneute Anlauf in Richtung eines vertieften Prozessansatzes soll nun endlich gelebte Prozessorientierung (und nicht mehr länger verschleierte Funktionsorientierung) zur normativen Vorgabe machen. Noch mehr als in der aktuellen ISO 9001:2008 wird der prozesssorientierte Ansatz betont beziehungsweise sogar explizit gefordert.
  5. Ausschlüsse: Der aktuelle Entwurf (DIS) verweist bei der Ermittlung der Anwendbarkeit der Anforderungen nicht mehr gesondert auf “Ausschlüsse” (vgl. ISO 9001:2008; 1.2).
  6. Qualitätsziele: Bei der Planung, wie diese erreicht werden, müssen “SMARTe” Apekte bestimmt werden, und zwar: was getan wird, welche Ressourcen erforderlich sind, wer verantwortlich ist, wann es abgeschlossen ist und wie die Ergebnisse bewertet werden.
  7. Wissen der Organisation: Die Organisation muss zukünftig jenes Wissen bestimmen, das benötigt wird, um ihre Prozesse durchzuführen und um die Konformität von Produkten und Dienstleistungen zu erreichen. Diese Anforderung geht über die bisherige Anforderung hinsichtlich der Kompetenzen der Mitarbeiter (siehe Punkt Ermittlung und Bereitstellung, Anm.) weit hinaus.

(Re-)Zertifizierung: Eile mit Weile

Eile bezüglich der Zertifizierung nach der neuen ISO 9001:2015 ist vorerst nicht geboten: Die Übergangszeit für die Zertifizierung, die so genannte Certification Transition Timeline, räumt Organisationen eine Frist für die (Re-)Zertifizierung bis spätestens September 2018 ein.

Um aber die Durchdringung der evolutionären Änderungen von der Führung bis zur Basis zu gewährleisten, sollte mit der Auseinandersetzung sowie der Planung des Change-Prozesses auf jeden Fall so rasch wie möglich nach der Veröffentlichung des Final Draft International (FDIS) im Sommer 2015 gestartet werden.

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Dipl.-Ing. Harald Staska

Dipl.-Ing. Harald Staska

Gründer & Geschäftsleitung von C.O.M.E.S; Berater, Trainer und Auditor,
Delegierter im technischen Komitee ISO/TC 176/SC 2 (Anm.: ISO 9001), Delegierter im Projekt Komitee ISO/PC 302 (Anm.: ISO 19011) sowie Experte von Austrian Standards International im Komitee 129 – Qualitätsmanagementsysteme.

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